Dankbarkeit und unser Gehirn: Was ein paar Zeilen am Abend bewirken
Ein Dankbarkeitstagebuch klingt nach Kalenderspruch. Doch hinter der Idee steckt ernsthafte Forschung – und ein einfacher Mechanismus.
Was die Forschung sagt
Die Psychologen Robert Emmons und Michael McCullough veröffentlichten 2003 eine viel beachtete Studienreihe. Teilnehmende, die regelmäßig notierten, wofür sie dankbar waren, berichteten im Vergleich zu anderen Gruppen über mehr Zufriedenheit und Optimismus. Seither wurde das Thema vielfach untersucht. Die Effekte sind nicht riesig, aber sie sind da – und die Übung kostet fast nichts.
Warum es wirkt
Dankbarkeit lenkt die Aufmerksamkeit auf das Gute, das ohnehin passiert, aber im Alltag untergeht. Sie wirkt damit direkt gegen die Negativitätsverzerrung, die Schlechtes stärker gewichtet als Gutes.
So geht es
- Jeden Abend drei Dinge notieren, die heute gut waren.
- Konkret sein: nicht „meine Familie", sondern „das Lachen meiner Tochter beim Abendessen".
- Kurz halten: zwei Minuten reichen.
- Nicht erzwingen: An schlechten Tagen reicht ein Ding.
Häufige Einwände
„Mir fällt nichts ein." Das ist am Anfang normal. Nach einigen Tagen beginnt man, tagsüber nach Dingen zu suchen – und genau das ist der Effekt.
„Das ist doch Selbstbetrug." Nein. Die schlechten Dinge sind ja nicht weg. Aber die guten bekommen endlich auch Platz.
Eine Morgenvariante
Wer abends zu müde ist, kann die Übung in die Morgenroutine verlegen – mehr dazu in Positiv in den Tag starten.
Das Buch dazu
Dankbarkeit ist eines der Werkzeuge, die Markus Weber in Ab heute gehe ich vom Besten aus vorstellt – eingebettet in Geschichten, die zeigen, wie sich ein Blick verändern kann.
