Negativitätsverzerrung einfach erklärt: Warum Schlechtes stärker wirkt als Gutes
Du bekommst im Jahresgespräch fünf Lob-Punkte und einen Verbesserungsvorschlag. Woran denkst du am Abend? Wahrscheinlich an den einen Vorschlag. Das ist kein Zufall, sondern ein gut erforschtes Phänomen.
Was die Negativitätsverzerrung ist
Der Begriff beschreibt unsere Neigung, negativen Ereignissen mehr Gewicht zu geben als positiven von gleicher Stärke. Psychologen um Roy Baumeister haben 2001 einen viel zitierten Überblicksartikel mit dem Titel Bad Is Stronger Than Good veröffentlicht. Darin zeigen sie quer durch viele Lebensbereiche: Schlechte Erfahrungen prägen uns stärker als gute.
Wo sie dir begegnet
- In Beziehungen: Ein verletzendes Wort bleibt länger hängen als viele liebe.
- Im Job: Eine Kritik beschäftigt dich tagelang, ein Lob ein paar Minuten. Siehe auch Kritik nicht persönlich nehmen.
- In den Nachrichten: Schlechte Meldungen bekommen mehr Aufmerksamkeit.
- In der Zukunftsplanung: Wir malen uns Risiken lebhafter aus als Chancen.
Warum das sinnvoll war
Für unsere Vorfahren war ein übersehenes Risiko oft tödlich, eine übersehene Chance selten. Ein Gehirn, das Gefahren überbewertet, war ein Überlebensvorteil. Heute führt dieselbe Programmierung zu unnötigen Sorgen – mehr in Warum denken wir immer das Schlimmste?.
Drei Wege, gegenzusteuern
- Bewusst nachwiegen. Wenn dich etwas Negatives beschäftigt, zähle bewusst auf, was im selben Zeitraum gut lief.
- Gutes länger halten. Wenn etwas Schönes passiert, bleib ein paar Sekunden länger bei dem Gefühl. Das klingt banal, verändert aber, was im Gedächtnis bleibt.
- Dankbarkeit üben. Kurze tägliche Notizen über Gutes wirken dem Ungleichgewicht entgegen – siehe Dankbarkeit und unser Gehirn.
Das Buch dazu
Markus Weber widmet diesem Mechanismus in Ab heute gehe ich vom Besten aus mehrere Kapitel – mit Geschichten, in denen man sich wiedererkennt, und Übungen, die man sofort ausprobieren kann.
