Wie Erwartungen unsere Wahrnehmung formen
Zwei Menschen besuchen dasselbe Restaurant. Der eine hat gelesen, es sei überteuert, der andere, es sei ein Geheimtipp. Hinterher berichten sie von zwei völlig verschiedenen Abenden. Waren sie überhaupt am selben Ort?
Wir sehen, was wir erwarten
Unser Gehirn verarbeitet nicht einfach, was die Augen sehen. Es ergänzt, interpretiert und filtert – und dabei spielen Erwartungen eine große Rolle. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang unter anderem vom Bestätigungsfehler: Wir nehmen bevorzugt wahr, was zu unseren Annahmen passt, und übersehen, was ihnen widerspricht.
Im Alltag
- Wer einen Kollegen für unfreundlich hält, deutet sein Schweigen als Ablehnung – und nicht als Konzentration.
- Wer einen Tag als „Pechtag" beginnt, sammelt die kleinen Missgeschicke und übersieht die glücklichen Zufälle.
- Wer eine Beziehung für schwierig hält, merkt sich die Streits, nicht die schönen Abende.
Die Chance darin
Wenn Erwartungen unsere Wahrnehmung färben, können wir sie bewusster wählen. Das heißt nicht, die Augen vor Problemen zu verschließen. Es heißt, Situationen eine faire Chance zu geben. Mehr dazu in Die selbsterfüllende Prophezeiung.
Eine kleine Übung
Wähle morgens bewusst eine Erwartung für den Tag: „Heute wird mir jemand freundlich begegnen." Achte abends darauf, ob es passiert ist. Meistens ja. Und wenn du danach suchst, findest du es auch.
Erwartungen an andere
Besonders stark wirken Erwartungen im Umgang mit anderen Menschen. Wer bei anderen vom Besten ausgeht, erlebt sie oft auch so – siehe Von anderen das Beste annehmen.
Das Buch dazu
Dieser Gedanke zieht sich durch Markus Webers Ab heute gehe ich vom Besten aus: Was wir erwarten, verändert, was wir erleben.
