Von anderen das Beste annehmen: Warum wohlwollende Deutung so viel verändert
Ein Autofahrer schneidet dich. Dein erster Gedanke: „Rücksichtsloser Idiot!" Was du nicht weißt: Er ist auf dem Weg ins Krankenhaus, weil seine Frau gerade ein Kind bekommt. Würdest du ihm dann noch böse sein?
Wir deuten andere härter als uns selbst
Wenn wir selbst jemanden schneiden, wissen wir, dass wir abgelenkt oder in Eile waren. Wenn andere es tun, halten wir sie für rücksichtslos. Psychologen nennen das den fundamentalen Attributionsfehler – mehr dazu in Der fundamentale Attributionsfehler.
Was wohlwollende Deutung bewirkt
Wer bei anderen vom Besten ausgeht, ärgert sich weniger, streitet seltener und baut stabilere Beziehungen. Und oft liegt man damit sogar richtig: Die meisten Menschen meinen es meistens nicht böse. Sie sind müde, gestresst, abgelenkt – genau wie wir.
Eine einfache Übung
Wenn dich jemand ärgert, such drei alternative Erklärungen für sein Verhalten, die nichts mit Bosheit zu tun haben. „Sie hat nicht zurückgeschrieben" – weil sie im Meeting ist, weil sie die Nachricht übersehen hat, weil sie gerade nicht weiß, was sie antworten soll.
Wo die Grenze liegt
Vom Besten auszugehen heißt nicht, sich alles gefallen zu lassen. Wer wiederholt verletzt wird, darf Grenzen setzen. Wohlwollen ist ein Startvorschuss, kein Freibrief. Wie man Grenzen setzt, ohne sich schuldig zu fühlen, steht in Grenzen setzen ohne Schuldgefühl.
Zwei Bücher, ein Gedanke
Markus Webers Bücher hängen hier eng zusammen: Ab heute gehe ich vom Besten aus zeigt, wie wir die Zukunft wohlwollender sehen. Das hat nichts mit dir zu tun zeigt, wie wir das Verhalten anderer gelassener deuten.
