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PSYCHOLOGIE · ESSAY

Der fundamentale Attributionsfehler: Warum wir andere härter beurteilen als uns

Markus Weber · 2 Min. Lesezeit

Wenn du zu spät kommst, lag es am Verkehr. Wenn ein Kollege zu spät kommt, ist er unzuverlässig. Kommt dir das bekannt vor?

Was der Attributionsfehler ist

Der Sozialpsychologe Lee Ross prägte 1977 den Begriff fundamentaler Attributionsfehler. Gemeint ist unsere Neigung, das Verhalten anderer Menschen vor allem mit ihrer Persönlichkeit zu erklären und die Umstände zu unterschätzen. Bei uns selbst machen wir es oft umgekehrt: Da sehen wir die Umstände sehr genau.

Im Alltag

  • Der Autofahrer, der dich schneidet, ist ein Rüpel – nicht jemand, der gerade eine schlechte Nachricht bekommen hat.
  • Die Verkäuferin, die unfreundlich ist, ist ein unfreundlicher Mensch – nicht jemand am Ende einer Zwölf-Stunden-Schicht.
  • Die Freundin, die absagt, ist unzuverlässig – nicht erschöpft.

Warum wir das tun

Wir sehen das Verhalten anderer, aber nicht ihre Umstände. Unser eigenes Leben dagegen kennen wir in allen Details. Also erklären wir uns mit Umständen und andere mit Charakter.

Was das mit Persönlichnehmen zu tun hat

Wenn wir das Verhalten anderer als Ausdruck ihres Charakters oder ihrer Einstellung zu uns deuten, nehmen wir es persönlich. Wenn wir die Umstände mitdenken, wird vieles leichter. Genau darum geht es in Das hat nichts mit dir zu tun.

Eine Übung

Wenn dich jemand ärgert, frag: „Welche Umstände könnten dieses Verhalten erklären?" Finde drei. Du musst nicht sicher sein, dass sie stimmen – es reicht, dass sie möglich sind. Mehr in Von anderen das Beste annehmen.

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Ein verwandter Denkfehler ist das Gedankenlesen.

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