Harmoniebedürftig: Wenn jeder Konflikt sich wie eine Bedrohung anfühlt
Wenn es am Tisch laut wird, wirst du still. Wenn jemand verärgert ist, versuchst du sofort, es wieder gut zu machen. Und wenn du anderer Meinung bist, schluckst du sie lieber herunter. Du bist harmoniebedürftig – und das hat seinen Preis.
Woher das Bedürfnis kommt
Oft wurzelt es in frühen Erfahrungen. Wer in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem Konflikte bedrohlich waren, lernt, Streit zu vermeiden. Andere sind einfach von Natur aus friedliebend. Beides ist verständlich.
Die Schattenseite
Harmonie um jeden Preis bedeutet oft: Deine Bedürfnisse kommen zu kurz. Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Du stimmst zu, obwohl du anderer Meinung bist. Und du nimmst jede Verstimmung persönlich, weil du dich für die Harmonie verantwortlich fühlst.
Konflikte sind nicht das Ende
Ein Streit heißt nicht, dass eine Beziehung zerbricht. Im Gegenteil: Beziehungen, in denen man auch mal anderer Meinung sein darf, sind oft stabiler. Konflikte zeigen, wo Bedürfnisse aufeinandertreffen – und geben die Chance, sie zu klären.
Kleine Schritte
- Die eigene Meinung äußern – erst bei unwichtigen Dingen. Welches Restaurant? Welcher Film?
- Unbehagen aushalten. Das Gefühl nach einer kleinen Meinungsverschiedenheit geht vorbei.
- Nicht sofort schlichten. Wenn andere streiten, ist das nicht automatisch deine Aufgabe.
- Grenzen üben. Siehe Grenzen setzen ohne Schuldgefühl.
Das Buch dazu
Viele Leser von Das hat nichts mit dir zu tun erkennen sich in den harmoniebedürftigen Figuren wieder – und darin, wie sie lernen, dass Frieden nicht von ihnen allein abhängt.
